unser alter Bahnhof
der alte Bahnhof – eigenes Bild

Im Zeichen von Veränderung, Neuverwurzelung und Rückbesinnung, möchte ich gerne Euch an einigen schönen Bildern meiner alten Heimat teilhaben lassen.

Manchmal wurde ich dabei ganz schön wehmütig, da es wie ein Film ist, ein Lebensfilm, der da plötzlich an mir vorbeizog. Es poppten so viele Bilder hoch, Gedanken, Erlebnisse, wie ich es früher in den Meditationen hatte.

 

 

Ich sah mich als Kind mit Oma zum Bäcker gehen, sah die Leiterwagen der Bauern mit den Pferden davor, die das Heu von den Feldern geholt hatten. Er holperte über das Kopfsteinpflaster und die Kinder, die ganz obenauf sassen und lachten voller Freude über diesen schönen Ausblick.  Kaum waren sie weg, kam man mit Schaufel und Besen heraus um die guten Pferdeäppel einzusammeln, das beste Düngemittel für den Boden.

Ich sah mich zu Fasching durch das Dorf laufen, als Zigeunerin und Indianerin, nie als Prinzessin.

Ich sah mich an dem kleinen Fluss spielen, in dem doch sehr gefährlichen Wasser schwimmen, in Gesellschaft mit den Bisamratten ( die ich aber nicht wirklich an meiner Seite mochte )

Ich sah meinen Opa und Onkel die Fische räuchern, Aale und Forellen, und den Hecht mit den scharfen Zähnen zubereiten, den es zum Sonntagsessen gab.

Ich sah meine Oma und Mutti im Einmachkeller mit dem Hausschlachter die Schweine verwurschten, sah uns Wurschtesuppe verteilen in der Nachbarschaft, gemeinsam im grossen Familienkreis das Ende der drei gemeinsamen Schlachttage verbringen.

Ich sah schneebedeckte Landschaft, in der wir Kinder rodeln konnten, sah uns in der Vorweihnachtszeit Plätzchen backen und kleine Geschenke füreinander zu basteln, und sah Mutti die Keks und Süssigkeitendosen hoch oben auf dem Kleiderschrank verstecken, damit wir nicht bis Weihnachten alles aufgefuttert hatten.

Ich sah den Mann mit der Sägemaschine durch die Strassen fahren und sah mich mit grossen Augen in gehöriger Distanz danebenstehen, zuschauend wie schnell die grossen Baumstücke in kleine handlichere Teile zersägt wurden.

Ich sah Mutti und Oma im Garten rumwerkeln, der Garten der fast drei Familien ernährte, in dem Stangenbohnen, Grünkohl, Erdbeeren, Gurken, Rote Bete, Kohlrabi und vieles mehr heranwuchs, umrahmt von fünf Kirschbäumen in denen wir Kinder zur Kirschenzeit kaum raszubekommen waren.

Ich sehe die Dampflok am Fluss entlangdüsen, dicken Wasserdampf ausstossend und begleitet von lautem Tröten……die Bahnstrecke gibt es schon ewig lange nicht mehr.

Ich sah den kleinen Friedhof, auf dem sich die alten Frauen trafen zur Pflege der Ahnengräber, aber nicht nur, denn an diesem Ort wurden die Ahnen wirklich wieder lebendig, denn man redete mit Ihnen und auch mal über sie, je nachdem wie nett oder nicht nett sie waren 😉 Der Friedhof war ein Ort der dörflichen Kommunikation, keine nach aussen dargestellte Ahnenehrung.

Und ich sehe auch die Bilder meines letzten Besuches, bei dem ich feststellen musste, dass wenig von dem Ort meiner Kindheit übriggeblieben ist, was ich sehr schade finde. Der Ort hat kaum noch Leben in sich, er ist fast schon am aufgeben…..

Die schönen Fachwerkhäuser vergammeln, kein Mensch hat mehr das Geld dazu sie zu pflegen und instand zu halten. Der letzte Laden für Lebensmittel hat seine Pforten wohl jetzt schon geschlossen, eine kleine Dorfkneipe gibt es nicht mehr, dem Friedhof hat man alle Bäume die Schatten spendeten genommen, es gibt auch keine Menschen mehr die Ahnenpflege betreiben. Selbst das kleine Krankenhaus wurde aus „wirtschaftlichen“ Gründen geschlossen.

Damit schliesse ich jetzt auch heute, es macht mich sonst zu traurig, da ich weiss dass es vielen kleinen Kommunen ebenso geht.

Somit wünsche ich Euch allen jetzt viel Freude bei den Bildern meiner alten Heimat.